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Was ist Trockenbau ?
Dipl.-Ing. Helmut Bramann,
Herr Bramann ist Geschäftsführer der Bundesfachabteilung Akustik- und Trockenbau im Hauptverband der Deutschen Bauindustrie und vertritt im Rahmen der bestehenden Kooperationsvereinbarung zwischen beiden Organisationen in diesem Beitrag ebenfalls die Interessengemeinschaft Trockenbau e.V.
Immer noch Kammerprobleme - Was ist Trockenbau ?
"Zu wem gehört der Trockenbau ?" ist über Jahre ein heftiger Diskussionspunkt im Fokus verschiedener Handwerke gewesen. Viele Trockenbauer der "ersten Stunde", die meisten Mitglied der Bundesfachabteilung Akustik- und Trockenbau, haben sehr lange und auf weiter Flur alleine für die Anerkennung der neuen Bauweise als eigenständiges Trockenbaugewerk gekämpft. Gemeinsam mit der Interessengemeinschaft Trockenbau wurde letztendlich die gesetzliche Klarstellung vom 31. Mai 2000 erstritten, die den gewerberechtlichen Verfolgungswahnsinn und die zunehmende Vernichtung von Existenzen im Trockenbau endgültig stoppen sollte. Der Gesetzgeber wählte sogar den Begriff "Akustik- und Trockenbau", um nachhaltig zu verdeutlichen, dass es sich um raumakustisch, bauphysikalisch anspruchsvolle Konstruktionen handelt, deren Erstellung laut Gesetzestext "keine wesentliche Tätigkeit eines der in der Anlage A zur Handwerksordnung aufgeführten Gewerbe" darstellt.
Einige ewig Gestrige in den Handwerkskammern scheinen dies immer noch nicht wahrgenommen zu haben. Weiterhin werden vereinzelt Untersagungsverfügungen und Bußgeldverfahren gegen Trockenbauunternehmen angezettelt. Diese Kammerprofis haben die nächste Frage: "Was ist eigentlich Trockenbau" (besser wäre: "Akustik- und Trockenbau") schnell gestellt und gleichzeitig beantwortet: Trockenbau ist wenig, deshalb wird weiterhin abgemahnt ! Eine genaue Definition und Abgrenzung dessen, was "Trockenbau" wirklich ausmacht, ist deshalb dringend notwendig, um das Kammerunwesen im Trockenbau endlich zu beenden.
Was ist "Trockenbau" ?
In der Praxis ist allgemein akzeptiert, dass es sich Trockenbauarbeiten um raumabschließende Innenausbauten für Wand, Decke und Boden handelt. Anders als die Tätigkeitsbereiche der meisten Bauhandwerke, ist der Begriff "Trockenbau" weder baustoffgebunden, noch tätigkeitsbezogen definierbar. Die innovative Bauweise (flexibel, schnell und kostengünstig) und funktionelle Zielsetzungen (gestalterische Möglichkeiten) stehen im Vordergrund des Begriffes. In diesem Sinne umfasst Trockenbau im wesentlichen plattenförmige Konstruktionen, bestehend aus verschiedenen Baustoffen und Bauteilen, die meistens in Serien- oder Massenfertigung (teilweise endbehandelt) hergestellt und in unterschiedlichen Verfahren, teilweise werkzeuglos durch trockene Schraub-, Klemm-, Clips-, Einlege- oder Steckmontage auf der Baustelle zusammengefügt werden. Die Feststellung des tatsächlichen Leistungsumfanges von Trockenbauarbeiten kann immer nur eine Momentaufnahme sein und ist für die Zukunft nicht abschließend.
Wo sind die aktuellen Leistungsbereiche des Trockenbaus bereits dargelegt ?
Es kursieren der Zeit viele unterschiedliche Auffassungen, welche Leistungsbereiche heute unter der Überschrift Trockenbauarbeiten aufgezählt werden dürfen. Nachfolgend einige offizielle Aussagen und gutachterliche Stellungnahmen, die bei der Bewertung der Leistungsspektrums besonders gewürdigt werden sollten:
Zum Beispiel in der VOB - die ATV DIN 18350 und andere ATV, in denen unter den jeweiligen Abschnitten "Trockenbau" bislang die zugehörigen, wesentlichen Ausführungen beschrieben sind. In dem jüngst einberufenen Arbeitskreis zur Definition des Geltungsbereiches der neuen ATV "Trockenbauarbeiten" - die nach zahlreichen Initiativen der Bundesfachabteilung jetzt endlich erarbeitet wird - wurde von den Beteiligten der betroffenen ATV einvernehmlich ein neuer Definitionsvorschlag erarbeitet, demnach Trockenbauarbeiten "raumbegrenzende Konstruktionen des Ausbaus (aus vorgefertigten Bauteilen und Baustoffen) umfassen, die in trockener Bauweise montiert bzw. weiterverarbeitet werden. Dazugezählt werden insbesondere das Herstellen von Deckenbekleidungen und Unterdecken, Wandbekleidungen, Trockenputz und Vorsatzschalen, Trenn- und Montagewänden, Doppel-, Hohlraum- und Trockenunterböden und technisch bauphysikalischen Sonderkonstruktionen (z.B. Klima- und Akustikdecken sowie Traggerüste für Einbauteile) und die Montage von Zargen, Türen und anderen Einbauteilen in vorgenannte Konstruktionen".
Zum Beispiel das eigenständige Berufsbild. Für den Trockenbau existiert seit 1974 ein spezieller Ausbildungsberuf: Der "Trockenbaumonteur". Gemäß Ausbildungsverordnung handelt es sich um ein bauindustrielles Berufsbild. Dieser ständig aktualisierte Ausbildungsweg spiegelt das Leistungsspektrum des modernen Trockenbaus wieder und sollte deshalb -- ähnlich wie dies gemäß Handwerksordnung üblich ist - zur Bestimmung der "Kerntätigkeitsbereiche" herangezogen werden. Das Ausbildungsprofil wurde am 01. September 2000 im Bundesanzeiger veröffentlicht.
Zum Beispiel verschiedenen gutachterliche Stellungnahmen, die im Laufe der Jahre erstellt wurden und immer wieder aktualisiert den Leistungsumfang des Gewerkes beschreiben. Besonders zu erwähnen ist die vom Deutschen Industrie- und Handelstag (DIHT) auf Basis mehrerer Gutachten erstellte Definition.
Zum Beispiel das Standardleistungsbuch "Trockenbauarbeiten" (LB 039), das von Auftraggeber- und Auftragnehmerseite gemeinsam erarbeitet wurde...
... zum Beispiel... z.B., z.B.... Es lassen sich weitere Beispiele aufzählen. Diese zusammenfassend können nachfolgende Leistungsbereiche festgehalten werden, die heute sicher der Trockenbauweise zuzuordnen sind:
Konstruktionen und Leistungsbereiche des Trockenbaus
Der Trockenbau beinhaltet raumbegrenzende Konstruktionen des Ausbaus für Wand, Decke und Boden, die i. a. in trockener Bauweise montiert bzw. weiter verarbeitet werden. Ausgenommen sind Holzkonstruktionen, wie sie üblicherweise von Zimmerern und Tischlern erstellt werden, Trennwände aus Mauerwerk, Rabitz- und Stuckdecken. Insbesondere sind heute im Trockenbau enthalten:
Deckenbekleidungen und Unterdecken (abgehängte Decken)
als plane, gegliederte oder gewölbte, fugenlose oder elementierte Flächen aus unterschied- lichen Materialien, Formen und Systemen, u. a. als Dekor-, Metall-, Kassetten-, Raster-, Gitter-, Waben-, Lamellen-, Paneeldecken oder Baffeldecken, in Sonderausführungen, z. B. als Akustik-, Licht-, Lüftungs-, Klimadecken. Die Bekleidung kann u.a. aus: Gipskarton, Gipsfaser, Holz, Holzwerkstoff, Metall, Kunststoff, Mineralfaser, Glas, Fiber-, Calciumsilikat, Perlite bestehen.
Wandbekleidungen, Montagewände
als gerade, geschwungen oder gebogen Flächen aus unterschiedlichen Materialien und Systemen, einschalig oder mehrschalig beplankt u.a. als: raumteilende, feste oder umsetz bare Ständerwände, Flur-, Wohnungstrennwände, Installationswände (auch Vorwand- installation), WC-Trennwände. Die Bekleidung kann u.a. aus: Gipskarton, Gipsfaser, Holz, Holzwerkstoff, Metall, Kunststoff, bestehen.
Sonstige Verkleidungen
freistehend oder direkt angesetzt, ohne bzw. mit Unterkonstruktion, z. B. feucht gemörtelt (Ansetzbinder), geklebt, ggf. mit zusätzlicher Dämmung, u. a. als Trockenputze, montierter Trockenstuck, Vorsatzschalen, Verkofferungen, Schürzen, Abschottungen. Die Bekleidung kann u.a. aus: z.B. den unter 2. genannten Baustoffen.
Bodensysteme
als Doppel-, Hohlraumböden bzw. Installationsböden, Trockenunterböden (Trockenestriche) Belag u.a. aus: Gipskarton, Gipsfaser, Calciumsilikat, Holzwerkstoff, Stahl, Estrich, Metall- wannen mit mineralischer Füllung, armiertem Leichtbeton. Oberbeläge z. B. au Linoleum, Parkett, Nadelfilz, Teppich.
Einbauten
in vorgenannte Konstruktionen, z. B. Unter-, bzw. Tragkonstruktionen für erhöhte Lasten (Decke, bzw. Wand), Leuchten (ohne Verkabelung), Lüftungsauslässe, Zargen für Türen und Fenster, Türen (einschl. Beschlag).
Einfache Dämmungen und Isolierungen
für vorgenannten Konstruktionen oder als separate Leistung u. a. aus: Mineral- und Natur- fasern, Baum-, Schafwolle, Flachs, Kork, Schaumglas, Perlit, Hartschäumen, Sperren und Dampfbremsen aus Metall, Kunststoff
Bauphysikalische Anforderungen bezüglich Wärme-, Kälte-, Schall-, Brand-, Feuchte-, Strahlenschutz, Schlagsicherheit können u.a. in Trockenbauweise erfüllt werden.
Einsatzbereiche: Böden, Decken, nichttragende Wände im inneren Gebäude- und im Dachgeschossausbau; auch für Bäder- und Feuchträume, Reinräume u.s.w.
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