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Referenzen - Konzerthaus Karlsruhe
Im Haus der guten Klänge
Trockenbau neben Stuck, traditionelle Handwerkstechnik neben einem modernen, zeitgemäßen Innenausbau: So stellt sich das Konzerthaus Karlsruhe nach der Generalsanierung dar. Der Trockenbau überzeugt vor allem bei der Kassettendecke im großen Konzertsaal.
Ein "Ausstellungsgebäude mit Nebengebäuden und ein Theater mit Konzertsaal" entwarfen die Architekten Robert Curjel und Karl Moser im Zentrum der badischen Hauptstadt. Das zwischen 1913 und 1915 im neoklassizistischen Stil erbaute Konzerthaus Karlsruhe mußte dann aber einige Veränderungen überstehen. Kurz nach der Fertigstellung nutzte man es im Ersten Weltkrieg als Lazarett, später als Kino, und im Zweiten Weltkrieg beschädigten Bomben mehrfach den Bau.
Die Stadt Karlsruhe, Eigentümerin und Bauherrin, entschloß sich schließlich, nach Jahren notdürftiger Renovierungen, zur Generalsanierung. Um eine möglichst hohe Auslastung des Gebäudes sicherzustellen, baute man Räume um und gestaltete sie neu. Neben Theater, Konzerten und Empfängen bietet das Bauwerk jetzt auch Platz für Tagungen, Ausstellungen und Messen. 24 Monate dauerten die Modernisierungsarbeiten, im August 1994 hat das Haus wieder den Betrieb aufgenommen.
Zentrum des Konzerthauses bleibt der große Saal. Die ursprünglich eingebaute Decke war aus Stuck. Auch heute hat der Saal wieder eine Kassettendecke, allerdings aus Gipskartonplatten - nicht nur wegen der geringeren Baukosten. Für die Architekten des Bauvorhabens, Rainer Rupprecht und seinen Partner Rolf Apell, bieten Gipskartonplatten "die Fortsetzung der Konzerthausgestaltung mit modernen Mitteln". Ein legitimer Weg, betrachtet man die realen Kostenstrukturen und die Entwicklung des Handwerks.
Die neue Gestaltung des Konzerthauses beginnt im klassizistisch gehaltenen, quer vor dem Hauptsaal liegenden Hauptfoyer. Hier sind die stuckverzierten Decken und Säulen noch komplett im ursprünglichen Zustand erhalten. Nur die Halogenleuchter und die Möblierung verraten den zeitgemäßen Umbau. In den beiden Seitenfoyers wird bereits die Neugestaltung der Räume erkennbar. Die Decke übernimmt zwar noch das Raster des Hauptfoyers und auch der spiegelnde Bodenbelag wirkt feierlich, doch sind schon diese "Flure" zum Hauptsaal vergleichsweise schlicht gestaltet.
Im Hauptsaal bestimmen zwei Farben den Raum. Die untere Hälfte ist vom schwarzroten Gestühl und den rötlichen Mahagoni-Wandvertäfelungen geprägt. In diesen ruhigen, bedeckt wirkenden Bereich ragen helle Säulen gleich einer Verzahnung hinein. Sie verbinden den Raum mit der großen, hellen Kassettendecke. Die neue Decke entspricht nicht exakt dem Vorbild von 1945. Hier hat der Architekt gezielt auf moderne Baustoffe gesetzt.
Das Deckenraster und die generelle Form der Kassetten blieben erhalten. Es fehlen die kleinteiligen Stuckverzierungen, wie sie im Hauptfoyer zu sehen sind. Die Form der innerhalb einer Kassette zurückspringenden Stuckgesimse wird in der Gipskartonkassette durch Lichtschatten nachgezeichnet. Trotz der wenigen schmückenden Elemente - schlichte Quadrate statt Stuck - strahlt der Raum die feierliche Atmosphäre des Klassizismus aus.
Die Decke mißt 17 x 27 Meter und besteht mit ihrer Metall-Unterkonstruktion aus einer Einheit. Sie hängt über einem umlaufenden Wandgesims. In der Fuge zwischen Decke und Gesims werden Dehnungen und Bewegungen ausgeglichen.
Atro-Bauleiter Scherer beschreibt den Arbeitsablauf: "Die Montage der Kassettendecke erfolgte im Taktverfahren. Zunächst wurde die Metall-Unterkonstruktion in der Längs-, dann in der Querachse und anschließend der Randfelder montiert, danach bauten wir die Lüftungs- und Lichtklappen (Spezialteile) ein. Dann erfolgte die Beplankung mit Gipskarton und anschließend die Endverspachtelung." Die gesamte Deckenkonstruktion wird von etwa 2 m hohen Stahlfachwerken getragen. Sie überspannen die kurze Seite der Halle. Quer zu den Fachwerkträgern, längs der Halle, sind etwa alle 3 m noch die ursprünglichen Längsträger aus Doppel-T-Stahl darunter geschraubt.
Unter diese vorhandene Konstruktion wurden Weitspannträger für die neue Decke montiert. Die Unterkonstruktion für die Kassettendecke besteht aus CD-Deckenprofilen, CD-Abhängern mit Spezialspannfeder und verzinkten 4 mm dicken Abhängedrähten (Profilvertrieb). Die Unterkonstruktion der abgestuften Kassetten ist soweit möglich aus vorgefertigten Profilen. Sie wurden in einer Schlosserei nach Schablone gefertigt und punktgeschweißt.
Unter diese Konstruktion wurde eine einlagige Beplankung aus Gipskartonplatten montiert. Lafarge Gips lieferte für dieses Bauvorhaben bereits vorgefräste und weitgehend auf Maß geschnittene 42,5 mm dicke GKF-Platten. So konnte eine exakte, scharfkantige und rationelle Kassettenausbildung erzielt werden. Diese Technik der Trockenbauarbeiten führte zur Rationalisierung und Bauzeitverkürzung: ein Ergebnis der guten Zusammenarbeit der Planer mit dem von der Trockenbaufirma eingesetzten Bauleiter Bernd Scherer. Er ist einer der ersten geprüften Poliere Ausbau des ABZ Hamm. "So groß die Kassettendecke auch ist, es handelte sich um eine Filigranarbeit im Millimeterbereich. Das Wichtigste waren Logistik und Arbeitsvorbereitung. Diese Decke war sinnvoll nur in Falttechnik durchführbar und rationell zu verlegen."
Ein Gerüst für alle
Beim Ausbau des großen Saales arbeiteten mehrere Gewerke eng neben- beziehungsweise übereinander. Während unten die Konstruktionen für das Gestühl geschweißt wurden, waren oben die Trockenbauer am Werke. Dies war gleichzeitig nur möglich, weil die Trockenbauer auf einem auf Schienen verfahrbaren Sondergerüst arbeiteten. Die Schienen waren an den großen Stahlsäulen montiert.
Die etwa 4 m breite Gerüstbrücke überspannte die gesamte Breite des Saales 17 m freischwebend je nach Ranghöhe in einer Höhe zwischen 6 und 10 m. Über zwei dicke Taue an beiden Seiten der Brücke konnten die Monteure das Gerüst per Hand beliebig verfahren. Unterhalb dieses Fahrgerüstes konnten alle übrigen Arbeiten ungestört vorangetrieben werden. Scherer erläutert die Erfahrungen damit: "Das Gerüst konnte zwar nur mit maximal vier Monteuren und ganz wenig Material belastet werden, dennoch war ein hervorragendes Arbeiten möglich, da durch die Verschiebbarkeit das Gerüst jederzeit zu jeder notwendigen Montagestelle leicht manövriert werden konnte."
Frischluft: leise und zugfrei
Das ursprüngliche Stahlfachwerk der Decke erfüllt mehrere Funktionen. Zum einen nimmt es innerhalb seiner Tragwerkshöhe zwei Beleuchterbrücken auf, zum anderen dient der Abstand zwischen Unter- und Obergurt auch als Lüftungsraum. Im Bereich des Obergurtes ist eine etwa 6 cm dicke Betondecke eingebaut. Zwischen dieser kuppelartigen Schale und der Kassettendecke entsteht ein Raum, über den der Saal entlüftet wird. Die Luft wird durch breite Schlitze rund um den abgesenkten Gipskarton-Kassettenspiegel abgesaugt.
Frische, vorgewärmte oder gekühlte Luft gelangt durch den Saalboden, unterhalb des Gestühls, in den Raum. Dazu ist unter dem gesamten Saalboden ein großer Luftraum mit gemauerten schneckenförmigen Luftkanälen eingebaut. Die Luft wird so verteilt, daß unter dem gesamten Saal ein gleichmäßiger, leichter Druck ansteht. Der Luftdruck wird über seitlich angeordnete 4 m große Radialventilatoren erzeugt. Zusätzliche Schalldämpfer sorgen für ein Minimum an Maschinen- und Luftgeräuschen "Das Lüftungsgeräusch liegt weit unter dem, was heute in modernen Sälen üblich ist", so der Bauleiter des Vorhabens, Dipl.-Ing. Rolf Apell. Deswegen wurde die alte Anlage in der Form, wie sie seit 80 Jahren läuft, belassen. Lediglich die Steuerungselemente wurden den neuen Anforderungen angepaßt.
In der vierten und siebenten Kassettenreihe, von der Bühne aus gesehen, sind oberhalb der Decke zwei Beleuchterbrücken eingebaut. Sie werden sichtbar, wenn der Spiegel der jeweiligen Kassette nach oben in den Deckenraum hinein hochgeklappt wird.
Wiederum andere Kassettenspiegel sind mit speziellen Lichtreflektoren versehen Sie werden von eng strahlenden Scheinwerfern angeleuchtet und reflektieren ein weiches Licht in den Raum zurück. Die Lichtspender für diese Technik sind in den Rangbekleidungen links und rechts und an der Rückseite des Saales eingebaut.
Die alte Form von Konzert- und Theatersälen wird heute manchmal als "Guckkasten" belächelt Doch gerade diese Raumgeometrie sichert eine gute Akustik. Deshalb galt das Konzerthaus Karlsruhe bereits vor dem Umbau als ein Haus der guten Klänge
"Nach dem Umbau bietet der Raum", sagt Bauleiter Rolf Apell "die beste Akustik weit und breit". Einen wichtigen Beitrag zur gelobten Klangausbreitung leistet die wieder errichtete Kassettendecke. Sie streut den auftreffenden Schall und sichert durch ihre hohe Profilierung ein gleichmäßig diffuses Schallbild. Rolf Apell: "Zum guten Klang tragen aber auch die erhöhte und verbreiterte Bühnenöffnung, der veränderte Prozeniumsbereich, die geringe Verkehrsfläche und das nur leicht ansteigende Gestühl mit einem nicht zu hoch gezogenen Rang bei. So steht noch ausreichende Raumhöhe zur Verfügung, in der sich der Schall gut ausbreiten kann."
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