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Referenzen - Schwieriges Dreiecksverhältnis
Die Decke im Foyer des Ärztehauses in Karlsruhe erschien allen Beteiligten auf den ersten Blick anspruchsvoll,
aber nicht kompliziert. Doch gleichseitige Dreiecke haben es in sich.
Nur mit Lasern, Formteilen und Schliffen im Bereich von einem Zehntel Millimeter konnte die Optik der Decke
gewährleistet werden.
Das in den 70er Jahren erbaute Ärztehaus in Karlsruhe wurde 1995 saniert. Außen kann das von der sechs-eckigen Grundform bestimmte Bauwerk durchaus auch heute noch überzeugen. Innen allerdings war es wie in den 70er Jahren üblich - etwas dunkler angelegt. Grün- und Orangetöne bestimmten das Erscheinungsbild der Räume. Dunkle Hölzer rahmten diese Farbgebung ein.
Ein Ziel stand damit fest. Das durchaus repräsentative Bauwerk sollte auch innen wieder mit zeitgemäßen Techniken ausgebaut werden. Das Foyer des Ärztehauses spiegelt diesen Gestaltungswillen der Architekten in besonderer Weise wider. Die Decken des Foyers, des Empfanges und des daneben liegenden Warteraumes wurden mit moderner Falttechnik gestaltet. Form und Gliederung der Decke sind direkt vom Bauwerksraster abgeleitet. Das Sechseck als Grundform des Bauwerks setzt sich aus sechs gleichschenkligen Dreiecken mit einer Schenkellänge von 8,7 m zusammen. Diese Grundidee spiegelt sich in der Decke des Foyers wider. Auch hier setzen sich Sechsecke aus Dreiecken zusammen. Der Innenwinkel von 600 bei gleichschenkligen Dreiecken bzw. der komplementäre Winkel von 300 bestimmen die Optik der Decke.
Die drei zusammenhängenden und doch voneinander unabhängigen Deckenspiegel hängen quasi frei im Raum. Um sich nicht auf die möglichen Ungenauigkeiten des Rohbaues einlassen zu müssen, wurde von vornherein ein großzügiger Abstand der Decken zu den umgehenden Wänden eingehalten. Die seitlichen Abstufungen der Decke zu den Wänden hin überspielen nicht nur mögliche Differenzen. Sie eröffnen dem Architekten auch die Möglichkeit, der Decke ein eigenständiges Raster zu verleihen.
Formteile gleichen Bautoleranzen aus
Die abgehängte Decke besteht aus einer Lage Gipsplatten, die zu den Rändern hin zwei - und im Warteraum dreimal abgestuft ist. Diese Randfriese teilen den großen Raum in Deckenbereiche optisch auf. (Später sollen die Räume zusätzlich durch Möblierung andeutungsweise getrennt werden.) Die neue Decke mußte mit ihrem Raster zwischen Säulen und Wände eingepaßt werden. Dies geschah zuerst in Form einer Handzeichnung. Die Decke folgt. soweit es möglich ist, den Maßen des Raumes. Mit verschieden breiten Randfriesen werden die unumgänglichen Maßabweichungen überbrückt. Die abgestuften Randfriese bestehen aus gefalteten Gipsplatten. Sie wurden fertig verleimt angeliefert. Die Unterkonstruktion deckt lediglich die jeweiligen Höhen ab. Die Abstufungen der Friese tragen sich selbst.
Auf die glatte Decke wurden im zweiten Arbeitsgang gleichseitige Dreiecke mit den Schenkelmaßen 970 mm und einer Fuge dazwischen von 15 mm montiert. Aus sechs Dreiecken entsteht hier ein Sechseck. Die Symbolik ist wieder stimmig. Was einfach klingt, hat in der Praxis Schwierigkeiten bereitet. Jedes Deckensechseck besteht aus sechs Dreiecken. Jedes Dreieck eines Sechseckes bildet mit den daneben liegenden Dreiecken ein weiteres, überlappendes Sechseck. So steht jedes Dreieck nicht nur in Beziehung mit einem Sechseck, sondern mit drei Sechsecken.
Weicht nun ein Deckendreieck mit den Maßen 970 x 970 x 970 mm in einer Richtung nur um einen Millimeter ab. hat dies Auswirkung auf drei überlappende Sechsecke, die ihrerseits wieder mit weiteren Sechsecken zusammenhängen. Auf diese Weise addieren sich die Ungenauigkeiten im Fugenbereich. Die 15 mm breite Fuge zwischen den Sechsecken konnte die Summe der Ungenauigkeiten nicht mehr auflösen. Denn: Bereits eine Abweichung von 1 mm war mit dem Auge wahrnehmbar.
Präzisionsarbeit mit Laser und Schliff
Die Lösung: Mit Laser wurde eine Grundlinie unter die Decke projiziert und anschließend das Raster der Dreiecke abgeschnürt. In die so entstandenen Netze bauten die Trockenbauer die Gipsplatten-Dreiecke ein. Viele der Dreiecke mußten zum Teil von Hand auf eine Genauigkeit von einem Zehntel Millimeter geschliffen werden, um eine ungestörte Optik der Decke zu gewährleisten.
Eine zusätzliche Schwierigkeit stellten einzubauende Revisionsklappen dar. Sie wurden in der Größe eines Dreiecks oder als drei Dreiecke ausgeführt. Die kleinen Klappen dienen etwaiger Elektromontage. Über den großen Klappen befinden sich Wärmepumpen. Das Gewicht der großen, an Scharnieren hängenden Klappen wurde durch den Einsatz von Tischler-platten reduziert.
Fazit
Das in den 70er Jahren erbaute Ärztehaus in Karlsruhe wurde innen neu gestaltet. Dazu zählt u.a. das Foyer mit Empfang und Warteraum. Die hier neu eingebaute Gipsplattendecke nimmt das Sechseck als Grundraster des Bauwerkes in ihre Gestaltung mit auf. Diese Sechsecke, die in der Decke aus Gipsplatten-Dreiecken erstellt wurden, bereiteten unerwartete Schwierigkeiten. Sie wurden durch die gute Zusammenarbeit des Gipsplattenherstellers, der Falttechnik und des Trockenbauers hervorragend gelöst.
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